Es gibt diese Tage im Tischtennis, an denen einfach nicht viel zusammenlaufen will. An denen man sich auf fremdem Terrain schlichtweg nicht wohl fühlt, deutlich mehr leichte Fehler macht als der Gegner und sich von diesem irgendwann einmal den Schneid abkaufen lässt. Der Auftritt von Verbandsligist TTV Gärtringen bei Mitaufsteiger SVW Weingarten war so einer, er stellte aus TTV-Sicht wahrlich kein Ruhmesblatt dar. Nach zwischenzeitlichen 1:4- und 5:7-Rückständen sah es für den Favoriten lange nicht gut aus, erst ein fulminanter Endspurt mit allerdings überwiegend deutlichen Siegen sicherte den Gärtringern noch den 9:7-Zittersieg. Der ihnen zudem den Sprung auf Platz zwei bescherte.

Am Vortag der Partie im Oberschwäbischen spielten sich drei Gärtringer schon einmal warm. Michael Kocheisen, Tim Holzapfel und Tomislav Konjuh gewannen das Bezirkspokal-Viertelfinale beim zwei Klassen tiefer spielenden VfL Sindelfingen II klar mit 4:0 und stehen nun gemeinsam mit dem VfL Herrenberg, der SV Böblingen II und dem SV Leonberg/Eltingen im Final Four (16. Mai in Weil im Schönbuch).

„Heute sind wir wahrlich mit einem blauen Auge davongekommen, am Ende sind wir einfach nur happy über die beiden Pluspunkte“, sagte Tim Holzapfel nach dem dreieinhalbstündigen Kampf beim Skiverein Welfen Weingarten, wie der Verein richtig heißt. So genau konnte der Teamkapitän nicht sagen, warum es beim Vorletzten, der ohne seine etatmäßigen Topspieler Tim Julien Oelze und Mika Voss antrat, lange nicht nach Plan lief. „Vermutlich witterte der Gegner nach den starken Doppeln seine Chance, dass da heute was gehen könnte.“ In der Tat: Erstmals lag der TTV in dieser Saison nach den Doppeln mit 1:2 im Hintertreffen, was allerdings nicht zwingend einschüchtern sollte. Doch irgendwie spielte sich der Gastgeber in einen kleinen Rausch, erhöhte in den beiden Einzeln am Spitzenpaarkreuz sogar auf 4:1. Jens Seidel, Tim Holzapfel und Ann-Katrin Ziegler hielten im ersten Durchgang bis zum 4:5 dagegen, danach hielt der starke Justin Kühne den TTV im Spiel (3:0 gegen Moritz Schall).

Beim Stand von 5:7 geriet der TTV unter Zugzwang. „Wenigstens haben wir immer dran geglaubt, dass wir das Spiel noch an uns reißen können, wir haben uns immer gepusht“, zog Tim Holzapfel etwas Positives aus dem eher durchwachsenen Auftritt. Jens Seidel blies mit einem souveränen 3:0 über Thomas Hau zur Aufholjagd und am hinteren Paarkreuz präsentierten sich Ann-Katrin Ziegler und Tomislav Konjuh nervenstark. Vor allem Defensivspielerin Ziegler hatte beim 8:10-Rückstand im dritten Satz gegen He Yingping eine kritische Phase zu überstehen, griff dann aber in den entscheidenden Momenten mutig an und gewann mit 6:11, 11:4, 13:11 und 11:5. Das Schlussdoppel war dann eine klare Sache, weil Justin Kühne und Jens Seidel das Momentum auf ihrer Seite hatten und zudem mit spielerischer Klasse quasi nichts zuließen (11:3, 11:7, 11:8). Durch den 9:7-Erfolg hat der spielstarke Aufsteiger nunmehr den Klassenerhalt in der Tasche, was angesichts von 21:5 Punkten eher eine Randnotiz ist. Vielmehr befindet man sich nun auf dem zweiten Platz, der am Ende den Gang in die Aufstiegsrelegation zur Folge hätte. So weit denkt im Gärtringer Lager aber erst einmal keiner. „Auswärts konnten wir zuletzt nicht unser volles Potenzial ausschöpfen, das muss besser werden“, meint Tim Holzapfel. Am 7. März beim SV Amtzell besteht dazu die nächste Gelegenheit.

In der Verbandsliga der Frauen machte der TTV Gärtringen mit einem ungefährdeten 8:2-Erfolg im Bezirksderby über die SpVgg Weil der Stadt einen Platz in der Tabelle gut, ist nun Vierter. „Hätten wir zu Beginn der Saison nicht zwei Partien zu dritt bestreiten müssen, könnten wir jetzt vielleicht noch um die Spitzenplätze mitkämpfen“, meinte Sylke Gärtner, die gegen Weil der Stadt planmäßig pausierte. Zu Beginn ging beim TTV ein Doppel weg (1:1), in den Einzeln beherrschte der Gastgeber aber beinahe durchgehend die Szenerie, zumal der Gegner ohne seine erkrankte Topspielerin Sarah Jocher antreten musste. Anka Mutke, Sandra Koberstein, Sandra Jörke (je 2) und Christiane Lay fuhren nach zwei Stunden Spielzeit den fünften Saisonsieg ein.

Allen Grund zu hadern hatten die Männer III des TTV, die sich im Bezirksklassen-Duell bei der SpVgg Warmbronn lange auf der Siegerstraße befanden. Und bei zwischenzeitlicher 5:0- und 7:3-Führung auch das Spiel nach Hause bringen mussten. Der 3:0-Traumstart nach den Doppeln sowie starke Einzelauftritte von Tim Werum (2), Hans-Peter Werum, Oliver Pfister sorgten für optimale Voraussetzungen. Doch in der Schlussphase ging den Gärtringern am mittleren und hinteren Paarkreuz sowie im Schlussdoppel die Luft aus. Durch das bittere 7:9 beendete man frühzeitig irgendwelche Gedankenspiele auf eine Spitzenplatzierung. In der Kreisliga A gewann die TTV-Vierte in der Aufstellung Jonathan Stober, Thomas Holzapfel, Tobias Gotsch, Felix Laforsch, Wolfgang Meier und Siggi Stefany das „Vier-Punkte-Spiel“ gegen ersatzgeschwächte Gäste aus Schönaich II deutlich mit 9:0.

Neben den Männern I steht auch der TTV Gärtringen V im Final Four des Bezirkspokals. In der Klasse III (Kreisligen B) gewannen die Gärtringer Patrick Gotsch, Lars Seufert und Michael Gross ungefährdet mit 4:1 gegen die SG Deufringen-Aidlingen V.