Eines ist sicher: Über mangelnde Spielpraxis brauchte sich Simon Gotsch in den letzten paar Jahren nicht beklagen. In Spielzeiten, in denen ein herkömmlicher Tischtennisspieler so um die 15 bis 20 Partien bestreitet, kommt beim 17-jährigen Gärtringer gerne mal das Doppelte zu Stande. Weil er sowohl in der Jugend als auch bei den Erwachsenen spielberechtigt ist – und weil die höherklassigen Mannschaften im Verein immer häufiger bei ihm anklopften. Mittlerweile hat Simon Gotsch den Sprung ins Verbandsliga-Team geschafft, das am kommenden Wochenende mit gleich zwei Heimspielen gegen die SpVgg Ottenau (Samstag, 18 Uhr) und im Derby gegen den VfL Herrenberg (Sonntag, 11 Uhr) ins Geschehen eingreift.
Simon Gotsch - ganz links im Bild (hier noch als “Ersatz” im Verbandsligateam der Saison 2025/2026)
Gänzlich Neuland betritt Simon Gotsch dabei nicht. „Ich kam ja bereits in der vergangenen Saison in drei Verbandsliga-Punktspielen zum Einsatz", bestätigt er, „aber nun freue ich mich natürlich darauf, fest zum Kader der ersten Mannschaft zu gehören. Das ist eine coole Truppe." Für deren Mannschaftskapitän Tim Holzapfel ist es der „einzig logische Schritt", den Gärtringer Youngster nun hochzuziehen. „Simon hat sich in den letzten ein bis zwei Jahren konstant weiterentwickelt, er trainiert viel mit unserer Mannschaft und fordert die einzelnen Teammitglieder heraus. Ich bin mir sicher, dass er am hinteren Paarkreuz und auch im Doppel wichtige Punkte für den TTV beisteuern wird."
Rückblickend nimmt der Tischtennissport bei Simon Gotsch schon immer einen hohen Stellenwert ein. Was angesichts der Gärtringer Tischtennisfamilie nicht weiter verwundert, Mutter Sonja spielte ebenfalls lange für den TTV, Vater Ullrich leitete früher die Tischtennisabteilung, ist aktuell Spielbetriebsleiter des Vereins und nimmt als direkter Teamkollege in der zweiten Mannschaft immer noch hautnah an der spielerischen Entwicklung seines Sohnes teil. Und sein zwei Jahre älterer Bruder Tobias schmettert derzeit in der Gärtringer Dritten um Bezirksklasse-Punkte. „Tobias motivierte mich früher oft zum Training", erinnert sich Simon noch an Coronazeiten, in denen gemeinsam im Keller gespielt wurde. Oder an die Zeit während der Fußball-WM 2014, als sich die beiden Knirpse parallel auch dem runden Leder verschrieben. „Da war dann auch mein Vater ein bisschen hinterher, dass ich trotzdem weiterhin Tischtennis spiele", sagt Simon Gotsch und lacht.
Dass er am kleinen Plastikball blieb, hat sich längst gelohnt. In der Saison 2024/2025, in der Simon Gotsch auf satte 40 Punktspieleinsätze kam, bilanzierte er mit einer 25:5-Einzelbilanz in der Jungen-Landesliga, weshalb auch der VfL Sindelfingen auf ihn aufmerksam wurde. Seit der vergangenen Spielzeit spielt er zusätzlich für das U 19-Team des VfL Sindelfingen in der Verbandsoberliga, etwaige lose Anfragen auf einen Wechsel ins dortige Aktivenlager erteilt er aber eine Absage. Ohne lange zu überlegen. „Ich fühle mich in meinem Heimatverein wohl, habe dort auf jeden Fall eine Perspektive und möchte mich hier weiterentwickeln", sagt Simon Gotsch, der bislang zwei Teilnahmen an der württembergischen Jugend 19-Rangliste zu seinen größten Erfolgen zählt.
Organisatorische Klimmzüge waren im Vorfeld der Saison notwendig, um die Terminpläne der beiden höherklassigen TTV-Teams festzuzurren. „Wir wollten möglichst terminliche Überschneidungen vermeiden", meint Ullrich Gotsch, der weiterhin auf die Dienste seines Filius in der zweiten Mannschaft in der Bezirksoberliga (ehemals Landesklasse) zählt. „Simon ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil im TTV II, ohne ihn würde der Kampf um den Klassenerhalt ungleich schwerer werden." Entsprechende Ziele verfolgt auch der Youngster: „Wenn möglich, möchte ich mir am vorderen Paarkreuz eine positive Bilanz erspielen", gibt sich der Zwölftklässler des Gottlieb-Daimler-Gymnasium kämpferisch. Und zugleich optimistisch, dass er im offiziellen Punkteranking weitere Stufen nach oben klettern kann. „Bis in zwei Jahren würde ich gerne die 1 800er-Marke knacken", blickt er schon mal voraus.
Als „lockeren, entspannten Typ" sieht Tim Holzapfel in Simon Gotsch eine Bereicherung für das Verbandsliga-Team. Eine Charaktereigenschaft, die der 17-Jährige durchaus anerkennt. „Ich mach mir im Tischtennis keinen großen Kopf, versuche einfach mein Bestes zu geben", sagt er. Weshalb er häufig auch bei engen Satzständen die notwendige Coolness an den Tag legt. Äußerst schnell und beweglich am Tisch, ist Simon Gotsch mit einem grundsoliden und für sein Alter bereits enorm sicheren Spiel oftmals auf längere Ballwechsel aus. „Zumal er sein Spiel sowohl mit der Vorhand als auch der Rückhand gleichermaßen aufziehen kann", meint Tim Holzapfel, der sich auf die neue Saison mit dem Gärtringer Eigengewächs freut. „Es ist schön, im Verein wieder einen Spieler in den eigenen Reihen zu haben, der den Sprung nach oben geschafft hat." Ob’s irgendwann auch mal zur Nummer eins im Verein langt: „Das wär schon noch ein Ziel", sagt Simon Gotsch und lächelt.